Seit die FPÖ-ÖVP-Landesregierung ihr Amt antrat, brodelt es im steirischen Kulturbereich. Das Jahr 2025 begann mit großer Unsicherheit und Sorgen. Diese erwiesen sich letztlich als begründet, denn es folgte eine Welle von Kürzungen und Absagen von Kunst- und Kulturprojekten. Einen Höhepunkt haben die Turbulenzen aufgrund des abrupten Wechsels des steirischen Kulturkuratoriums erfahren. Dabei handelt es sich um jenes Gremium, das entscheidet, welche Kulturprojekte gefördert werden und welche Kunst nicht (mehr) gewünscht ist. Obwohl die Amtszeit des alten Gremiums noch lief und laute Proteste aus der Zivilgesellschaft ertönten, tauschte die Landesregierung die Mitglieder nach parteipolitischen Machtkriterien aus.

Dies löste Wut und Unverständnis in der Kulturszene aus. Unter dem Hashtag #kulturlandretten formierte sich Widerstand, der mit zahlreichen Aktionen wie einem Protestzug mit Tausenden Teilnehmer:innen für große öffentliche Aufmerksamkeit sorgte. Während im Frühjahr die Neubesetzung des Kulturkuratoriums im Fokus der Kritik stand, zeigte sich im Laufe des Jahres, dass die noch größere Bedrohung für die Kultur in der chronischen Unterfinanzierung liegt.

Um die Gemüter zu beruhigen, versprach der zuständige Landesrat Kornhäusl (ÖVP) im Sommer zwar ein stabiles Budget für die Kulturförderungen, doch es zeigte sich sehr schnell, dass dieses durch die Konsolidierung des stark defizitären Landeshaushalts alles andere als stabil war. Das Budget für Kulturförderung würde deutlich niedriger ausfallen als veranschlagt. Offiziell bekanntgegeben wurden die Kürzungen im Kulturbereich schließlich im Oktober bei der Präsentation des Landesbudgets 2026. Die Mittel für die Kulturförderungen sollten gegenüber 2025 um ein gutes Viertel schrumpfen. Im darauffolgenden Jahr ist mit weiteren Kürzungen zu rechnen, da das Land Steiermark im Budget 2027 insgesamt 377 Mio. Euro einsparen muss, um die Vorgaben des Stabilitätspakts mit Bund und Bundesländern einzuhalten.

Zusätzlich zu diesem ohnehin schon düsteren Ausblick kündigte Landeshauptmann Kunasek (FPÖ) unmittelbar nach der Budgetpräsentation an, die ORF-Landesabgabe ab 2027 abschaffen zu wollen. Diese dient mit einem jährlichen Volumen von rund 30 Mio. Euro zu 100 % der Finanzierung von Kultur und Sport in der Steiermark. Rund 25 Mio. Euro fließen dabei in das Kulturbudget, was somit etwa einem Drittel des gesamten Kulturbudgets entspricht. Noch im Dezember 2024 hatte LH Kunasek eine Kompensation dieser Abgabe versprochen, auf die sich LR Kornhäusl seither ständig beruft. Doch je näher die Umsetzung rückt, desto mehr zeigt sich, dass es keine konkreten Strategien dafür gibt. Vielmehr verharren die Politiker in vagen Ausflüchten, schieben sich gegenseitig die Verantwortung zu und lassen die Öffentlichkeit im Unklaren.

Angesichts der Tatsache, dass bereits der vergleichsweise geringe Ausfall der ORF-Landesabgabe im Jahr 2026 in Höhe von „nur“ 2,03 Mio. Euro nicht kompensiert werden konnte, drängt sich die Frage auf: Wie sollen dann 30 Mio. Euro ersetzt werden? Und vor allem: Welche Konsequenzen wird dies für das Kulturleben in der Steiermark haben?

Die Erfahrungen der letzten Jahre zeigen deutlich, dass es ohne eine gezielte Gegensteuerung des Landes unmöglich sein wird, die Kulturproduktion in der Steiermark auf dem bisherigen Niveau zu halten. Die aktuelle Förderpraxis offenbart bereits jetzt immer geringere Zuschüsse zu Projekten sowie eine grundsätzlich sinkende Zahl an Unterstützungen. Für die Menschen, die im Kulturbereich arbeiten, bedeutet das: entweder mehr unbezahlte oder noch schlechter bezahlte Arbeit oder weniger Kulturproduktion insgesamt und damit am Endegar keine Arbeit.

Ein schleichender Zerfall der steirischen Kulturlandschaft ist bereits im Gange. Ohne eine politische Strategie führt dies langfristig unweigerlich zur kulturellen Verarmung mit abnehmender Vielfalt, zu Kultur als „Luxusgut“ und zum stillen Sterben des steirischen Kulturlebens, wie wir es bis dato kannten.

Beitrag von Lidija Krienzer Radojević, Kulturanthropologin, Geschäftsführerin der IG Kultur Steiermark und Obfrau der IG Kultur Österreich

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